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Anime-Figuren versichern: Was die Hausrat bei Bruch, Einbruch und Brand wirklich zahlt
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Anime-Figuren versichern: Was die Hausrat bei Bruch, Einbruch und Brand wirklich zahlt

Ein dumpfes Klacken aus dem Wohnzimmer, dann Stille. Oben auf dem Regal sitzt die Katze, sehr zufrieden mit sich. Unten liegt deine Scale-Figur, ihr Kopf rollt gerade unters Sofa.

Spätestens jetzt willst du wissen, ob du Anime-Figuren versichern kannst und ob die Hausrat so etwas zahlt. Die ehrliche Antwort hat zwei Seiten, und nur eine davon wird dir gefallen. (Die Katze interessiert keine von beiden.)

Geschrieben von

René Corten

Zertifizierter Sachverständiger (DGUSV)

René begutachtet Schadensfälle für große Versicherer - mit DGUSV-Zertifizierung und hunderten Gutachten im Rücken. Was er dabei am häufigsten sieht: fehlende Nachweise. Deshalb hat er Hausratgenie gegründet und schreibt hier, was du wissen solltest, bevor es drauf ankommt.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Anime-Figuren gehören zum Hausrat, gedeckt sind aber nur benannte Gefahren wie Brand, Leitungswasser, Einbruch und Sturm.
  • Fällt eine Figur runter, zahlen weder Hausrat noch eigene Haftpflicht. Bruch deckt meist nur eine Allgefahren-Police.
  • Serienfiguren aus PVC fallen in aller Regel nicht unter die Wertsachen, limitierte Statuen vielleicht schon.
  • Es zählt der Neuwert am Schadentag, nicht der Kaufpreis.
  • Belege, Fotos und Screenshots verkaufter Exemplare zeigen Wert und Echtheit.

Sind Anime-Figuren in der Hausratversicherung versichert?

Ja, Anime-Figuren und andere Sammelfiguren gehören zum Hausrat und sind über deine Hausratversicherung mitversichert, egal ob Prize-Figur, Nendoroid oder Statue. Die Hausrat zahlt aber nur bei benannten Gefahren: Brand, Blitzschlag, Leitungswasser, Einbruchdiebstahl und Raub, Vandalismus nach einem Einbruch, Sturm und Hagel. Alles andere, auch der Sturz aus dem Regal, bleibt draußen.

Die benannten Gefahren funktionieren wie ein Türsteher mit Gästeliste: Wer draufsteht, kommt rein. Unsere Gästeliste folgt den unverbindlichen GDV-Musterbedingungen (VHB 2022), maßgeblich ist dein Vertrag. Ein Rohrbruch über der Vitrine ist ein klassischer Leitungswasserschaden. „Figur fällt runter“ steht dagegen auf keiner Liste. (Die Katze auch nicht, wir haben nachgesehen.)

Und die „Bruchschäden“ in deinen Bedingungen? Gemeint sind Rohrbrüche, nicht zerbrochener Hausrat. Ein Wort, zwei Welten.

Sind Anime-Figuren Wertsachen?

Serienfiguren aus PVC oder ABS fallen in aller Regel nicht unter die Wertsachen, denn der Wertsachenkatalog der Musterbedingungen nennt keine Figuren, kein Spielzeug und kein Merchandise. Gerichtlich geklärt ist das aber nicht. Limitierte Statuen aus Polystone oder Resin kann der Versicherer dagegen als Kunstgegenstand einordnen.

Wertsachen haben in der Hausrat eine eigene Entschädigungsgrenze. Die abschließende Liste in den VHB 2022 (A 18.1.1) nennt etwa Bargeld, Schmuck, Münzen, Kunstgegenstände und Antiquitäten über 100 Jahre. Prize-Figuren (Gewinne aus japanischen Greifautomaten) von Banpresto, Taito oder SEGA, Nendoroids und figma von Good Smile Company, Scale-Figuren im Maßstab 1/7 oder 1/4 von Kotobukiya, Alter oder Aniplex, Funko Pop!, S.H.Figuarts von Bandai Spirits und Play Arts Kai von Square Enix sind Serienware und damit in aller Regel normaler Hausrat.

Grauer wird es bei limitierten Statuen von Prime 1 Studio, Sideshow oder XM Studios. Manche Tarife nennen bei Kunstgegenständen ausdrücklich „Plastiken“, laut Duden Werke der Bildhauerkunst. Eines der Synonyme dort: „Figur“. Nummerierte Auflage, schwerer Kunststein: Wer will da noch „Spielzeug“ sagen?

Gilt deine Statue als Kunstgegenstand, fällt sie unter die Wertsachen-Grenze, laut Verbraucherzentrale meist insgesamt 20 Prozent der Versicherungssumme. Wie diese Grenze rechnet, zeigt der Ratgeber Sammlung versichern. Einen Tresor braucht die Statue nach den Musterbedingungen nicht. Frag deinen Versicherer per Mail, wie sein Tarif deine Statuen einordnet, und heb die Antwort auf. Eine Mail heute erspart dir die Grundsatzdebatte später.

Wer zahlt, wenn eine Figur runterfällt?

Fällt eine Figur aus dem Regal, zahlt in aller Regel niemand. Ein Sturz ist keine benannte Gefahr der Hausrat, und deine eigene Privathaftpflicht ersetzt keine Schäden an deinen Sachen. Das gilt auch, wenn deine Katze, dein Kind oder dein Ehepartner die Figur umwirft. Anders sieht es aus, wenn ein Gast sie umstößt.

Figur runtergefallen? Spoiler: Die Nein-Spalte ist lang.

Was passiert?

Hausrat

Wer zahlt sonst?

Du selbst oder deine Katze stoßen die Figur um

Nein

Niemand

Dein Kind, Ehepartner oder mitversicherter Partner war's

Nein

Niemand, Ansprüche im Haushalt schließt die Haftpflicht meist aus

Ein Gast stößt sie fahrlässig um

Nein

Die Haftpflicht des Gastes, in der Regel zum Zeitwert

Ein Besuchskind unter 7 Jahren

Nein

Meist niemand, die Eltern nur bei verletzter Aufsichtspflicht

Der Hund eines Gastes

Nein

Der Halter, auch ohne Verschulden

Die Vitrinenscheibe bricht

Nein

Glasversicherung: nur das Glas, Acryl nur mit Zusatzvereinbarung

Brand mit Rauch, Ruß, Löschwasser

Ja

-

Deine Kerze setzt die Vitrine in Brand

Ja, bei grober Fahrlässigkeit eventuell anteilig gekürzt

-

Rohrbruch, auslaufendes Aquarium

Ja

-

Einbruch: Figur gestohlen oder vom Täter zerstört

Ja

-

Paket vom Händler kommt zerbrochen an

Nein

Der Händler, er trägt in der Regel das Versandrisiko

Privatkauf, Versand auf deinen Wunsch

Nein

Meist du, ab Übergabe an den Paketdienst

Vorbestellung noch nicht geliefert

Nein

Noch kein Hausrat, Risiko beim Händler

Vergilbung, Leaning (Figur neigt sich), klebrige Oberfläche

Nein

Niemand, das ist Verschleiß

Die Privathaftpflicht schützt andere vor dir, nicht dich vor dir. Wirft ein Gast die Figur fahrlässig um, zahlt in der Regel seine Haftpflicht, laut Stiftung Warentest grundsätzlich zum Zeitwert, dem Wert am Schadentag. Bei einer ausverkauften Figur kann der sogar über deinem Kaufpreis liegen.

Für den Sturz aus dem Regal bleibt in aller Regel nur eine Allgefahren-Versicherung (All-Risk): Sie zahlt grundsätzlich alles, was ihre Bedingungen nicht ausdrücklich ausschließen. Am ehesten findest du solche Deckungen bei Kunstversicherungen wie ARTIMA oder Allianz ArtPrivat. Ob sie Figuren annehmen, klärst du mit dem Anbieter. Einen Anbietervergleich findest du im Ratgeber dazu, wie du eine ganze Sammlung versichern kannst.

Faustregel: Raubt dir vor allem die Katze den Schlaf, schau dir All-Risk an. Für Einbruch, Feuer und Wasser ist die Hausrat gebaut.

Was ist eine ausverkaufte Figur wert?

Die Hausrat ersetzt den Neuwert, also den Preis, den du am Schadentag für eine Figur gleicher Art und Güte in neuwertigem Zustand zahlen müsstest. Der Kaufpreis ist dafür nicht maßgeblich. Gibt es die Figur nicht mehr im Handel, spricht viel für den Preis auf dem Sekundärmarkt, also bei Wiederverkäufern. Abschließend geklärt ist das allerdings nicht.

Wie beim ausverkauften Konzert: Wer heute noch rein will, zahlt den Preis beim Wiederverkäufer, nicht den auf dem alten Ticket. „Kaufpreis minus Abnutzung“, wie es oft im Netz heißt, ist die Zeitwert-Logik der Haftpflicht, nicht der Hausrat.

Und wenn die Figur nirgends mehr im Laden steht? Beim Versicherungsombudsmann (Az. 5728/2023) ging es um vier gestohlene Hermès-Taschen, darunter ein limitiertes Sondermodell. Listenpreis aller vier: 32.800 Euro. Sekundärmarkt laut Gutachter des Versicherers: 68.000 Euro.

„Ist eine Wiederbeschaffung von Sachen, für die es einen funktionierenden aktuellen Sekundärmarkt gibt, erst mit einer Verzögerung von mehreren Jahren möglich, so dürfte dies keine zumutbare Art der Wiederbeschaffung im Rahmen einer Hausratversicherung darstellen."

Laut Ombudsmann sah das LG Hamburg (Az. 306 O 330/19) das ähnlich. Zwei Haken bleiben: Kündigt der Hersteller eine Wiederauflage an, könnte der Versicherer auf deren Listenpreis verweisen, denn rund ein Jahr Warten hielt der Ombudsmann für möglicherweise zumutbar. Und den Liebhaberwert ersetzt die Hausrat nicht. Es zählt, was der Markt nachweislich zahlt.

Den Wert einer Anime-Figur ermitteln und belegen

Wie kommst du an eine Zahl, die dein Versicherer nachvollzieht? Mit abgeschlossenen Verkäufen, nicht mit Wunschpreisen. (Verlangen heißt nicht bekommen.)

  • eBay: Der Filter „Verkaufte Artikel“ zeigt echte Verkaufspreise. Mach Screenshots mit Datum.
  • Mandarake, Solaris Japan, AmiAmi: Angebotspreise für Gebrauchtware aus Japan, gut zur Orientierung.
  • MyFigureCollection: belegt Hersteller, Release und Originalpreis, allerdings in Yen ohne japanische Steuer.
  • Funko Pop: Wer den Wert eines Funko Pop ermitteln will, landet bei PriceCharting oder hobbyDB, oft mit US-Schwerpunkt.

Bestellst du direkt in Japan, heb Bestellbestätigung, Zahlungsnachweis und den Abgabenbescheid über Einfuhrumsatzsteuer und Zoll auf. Er kommt mit dem Paket, sonst forderst du ihn beim Paketdienst an. Zusammen belegen die drei Kauf, Einfuhr und Gesamtkosten. (Der langweiligste Zettel im Karton ist für die Versicherung der spannendste.)

Bestellmail, Screenshots, Bescheid: In Hausratgenie hängen sie direkt an der Figur statt verstreut im Postfach. Die KI erkennt den Gegenstand auf dem Foto und schätzt den Neuwert, die genaue Edition trifft sie aber nicht immer. Ergänze Hersteller, Figur und Edition, dann wird die Schätzung genauer. Sammlerwerte oder Live-Marktpreise liefert die App nicht, dafür sind deine Screenshots da.

Bootleg-Risiko: Warum die Belegkette zählt

Ein Bootleg ist eine nicht lizenzierte Fälschung, oft täuschend ähnlich. Was zahlt die Versicherung für eine Figur, deren Echtheit niemand belegen kann? Zwei Rolex-Urteile zeigen die Spannweite: Beim OLG Hamm (Az. I-20 U 62/11) stammte die Uhr ungeprüft von einem Unbekannten, ein Plagiat ließ sich nicht ausschließen. Ergebnis: kein Geld für die Uhr. Beim OLG Düsseldorf (Az. 4 U 141/17) fehlten Zertifikat und Box, doch ein Uhrmacher bestätigte die Echtheit. Ergebnis laut Stiftung Warentest: voller Neupreis.

Laut Good Smile Company tragen manche Bootlegs sogar offizielle Logos. Ein Hologramm- oder Echtheitssticker ist also ein Indiz, kein Beweis. Stark wird es mit dem Kaufbeleg eines lizenzierten Händlers, Fotos der Copyright-Prägung unter der Base und der Originalverpackung (OVP). Dass die Figur vor einem Einbruch überhaupt da war, musst du ebenfalls belegen, mehr dazu im Ratgeber zum Einbruchdiebstahl in der Hausratversicherung. Wie beim Gebrauchtwagen: Das Scheckheft macht den Preis, nicht der Glanz.

Die Figuren-Fotocheckliste

Klingt nach Arbeit? Pro Figur sind es fünf Fotos und ein paar Notizen. (Weniger Aufwand, als eine 1/4-Statue aus dem Styropor zu befreien.)

  • Fotos: Front, Rückseite, Base-Unterseite mit Copyright-Prägung, Echtheitssticker, OVP
  • Hersteller und Linie: etwa Good Smile Company, Nendoroid
  • Maßstab und Material: 1/7 oder 1/4, PVC/ABS oder Polystone/Resin
  • Release-Jahr, Edition, JAN-Code (japanischer Strichcode)
  • Kaufbeleg: Händler, Datum, Preis

Was Fotos als Nachweis taugen, zeigt der Ratgeber zu Fotos als Schadensnachweis. In Hausratgenie ordnest du die Figuren dem Raum mit der Vitrine zu, siehst den Gesamtwert deines Hausrats und exportierst im Schadenfall einen PDF-Nachweis. Ein Abend mit der Kamera spart dir viele Abende im Postfach.

PraxiserfahrungFiktives Beispiel: zwei Sammler, gleicher Schaden, unterschiedliche Dokumentation

Zwei Sammler, gleicher Einbruch: Bei beiden fehlen sechs Scale-Figuren und eine limitierte Statue. A hat keine Fotos, seine Bestellmails liegen verstreut, die Statue stammt aus einem Forum ohne Beleg. Er rekonstruiert wochenlang, bei der Statue kommen Fragen zur Echtheit. B hat jede Figur samt Base-Prägung und OVP fotografiert, Belege und Screenshots hängen am Eintrag. Seine Liste steht an einem Abend.

Deine Figuren, sauber dokumentiert

Fotografiere jede Figur, ergänze Hersteller und Edition, häng Belege und Screenshots an. So hast du den geschätzten Neuwert und den Gesamtwert im Blick und im Schadenfall den PDF-Nachweis parat.

Figuren per Foto erfassen

Häufige Fragen

Quellen