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Gaming-PC versichern: Setup richtig absichern und dokumentieren
Schadenfälle

Gaming-PC versichern: Setup richtig absichern und dokumentieren

Sommergewitter, du bist mitten in der Runde. Draußen ein Knall, das ganze Zimmer flackert kurz - und dein Bildschirm bleibt schwarz. Kein Neustart, kein Lüftergeräusch, nichts. Nur der stille Verdacht, dass die 2.000 Euro unterm Schreibtisch gerade zu einem sehr teuren Briefbeschwerer geworden sind.

In diesem Moment kommt die Frage, die vorher niemand stellt: Zahlt das eigentlich jemand? Wer seinen Gaming-PC versichern will, verlässt sich meist auf die Hausratversicherung - und das ist zur Hälfte richtig. Die andere Hälfte entscheidet, ob du am Ende voll entschädigt wirst oder auf dem Schaden sitzenbleibst.

Dieser Ratgeber zeigt dir, was dein Hausrat wirklich abdeckt, wo beim Gaming-Setup die Lücken lauern und wie du dein Equipment so dokumentierst, dass im Ernstfall nichts wackelt.

Geschrieben von

René Corten

Zertifizierter Sachverständiger (DGUSV)

René begutachtet Schadensfälle für große Versicherer - mit DGUSV-Zertifizierung und hunderten Gutachten im Rücken. Was er dabei am häufigsten sieht: fehlende Nachweise. Deshalb hat er Hausratgenie gegründet und schreibt hier, was du wissen solltest, bevor es drauf ankommt.

Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Dein Gaming-PC ist normaler Hausrat - keine Wertsache wie Schmuck, also ohne prozentuale Deckelung. Ersetzt wird zum Neuwert.
  • Gedeckt sind zu Hause nur benannte Gefahren: Feuer, Blitz, Leitungswasser, Sturm und Einbruchdiebstahl - nicht Sturz, verschüttete Cola, Bedienfehler oder Hardware-Defekt.
  • Überspannung durch Blitz ist nur mit passender Klausel im Tarif gedeckt - genau prüfen.
  • Für Sturz, Flüssigkeit und einfachen Diebstahl gibt es die Elektronikversicherung mit Allgefahrendeckung (mit Selbstbeteiligung).
  • Im Schadenfall zählt der Nachweis: Rechnung, Seriennummer, Fotos - beim Eigenbau-PC die halbe Miete.

Ist ein Gaming-PC über die Hausratversicherung versichert?

Ja, dein Gaming-PC zählt als ganz normaler Hausrat - ohne Wertsachengrenze. Gedeckt sind aber nur benannte Gefahren: Feuer, Blitzschlag, Leitungswasser, Sturm und Einbruchdiebstahl. Ersetzt wird zum Neuwert. Was fehlt? Alltagsunfälle wie Sturz, verschüttete Getränke oder ein Hardware-Defekt - da endet der Grundschutz.

Der große Vorteil vorweg: Anders als Schmuck oder Uhren gilt dein Setup nicht als Wertsache. Das klingt nach Wortklauberei, ist aber bares Geld wert. Für Wertsachen gilt in der Hausratversicherung (dem Basisschutz für alles, was in deiner Wohnung steht) eine Obergrenze - marktüblich rund 20 Prozent der Versicherungssumme. PC, Monitore, Tastatur, VR-Brille und auch die Konsole kennen diese Deckelung nicht. Dein komplettes Setup ist zu Hause voll drin, nicht anteilig gekappt.

Die wichtigste Gefahr für Gamer ist dabei der Einbruch - und Kriminelle wissen genau, was sich lohnt.

Die Täter nehmen mit, was sich schnell zu Geld machen lässt, das ist heute vor allem teure Technik wie Smartphones, Kameras oder Computer"

Anja Käfer-RohrbachStellvertretende Hauptgeschäftsführerin des GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft)

Laut GDV regulierten die Versicherer zuletzt rund 90.000 Wohnungseinbrüche mit im Schnitt etwa 3.800 Euro pro Fall - und Technik steht bei den Tätern ganz oben. Damit der Hausrat beim Einbruch zahlt, braucht es zwei Dinge: Einbruchspuren (aufgebrochenes Fenster, geknackte Tür) und eine unverzügliche Polizeianzeige samt Stehlgutliste. Wie diese Beweislast im Detail funktioniert, steht im Ratgeber zum Einbruchdiebstahl. Der Hausrat ist also ein solides Fundament - nur eines mit ein paar Türen, die bei den typischen Gaming-Schäden weit offenstehen.

Übernimmt die Hausratversicherung Überspannungsschäden am PC?

Ein direkter Blitzeinschlag ist immer gedeckt. Der häufigere Fall - Überspannung durch einen Blitz in der Nähe - aber nur, wenn deine Police die Überspannungsklausel enthält. Moderne Tarife schließen sie oft ohne Aufpreis ein, ältere nicht. Überspannung aus anderen Quellen wie Netzschwankungen ist generell außen vor.

Das ist die Nuance, an der die meisten Gaming-Schäden hängen, also entwirren wir sie in Ruhe. Schlägt der Blitz direkt in dein Haus ein - der spektakuläre, seltene Fall - zahlt jede Hausratversicherung. Viel häufiger ist der unspektakuläre: Der Blitz trifft irgendwo in der Nachbarschaft, und über das Stromnetz jagt eine Spannungsspitze in deine Steckdose. Das ist der Überspannungsschaden durch Blitz, und der ist eben nicht automatisch in jedem Tarif drin. Ältere Basis-Policen decken teils nur den direkten Einschlag; moderne Tarife nehmen die Überspannungsklausel oft ohne Zuschlag mit auf (je nach Tarif kann ein Sublimit gelten - Bedingungen lesen lohnt sich wirklich).

Und wie oft passiert das? Häufiger, als du denkst.

Die Versicherer zahlten im Schnitt für jeden durch Blitzschlag verursachten Schaden rund 1.600 Euro, gut 200 Euro mehr als im Jahr zuvor."

Jörg AsmussenHauptgeschäftsführer des GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherer)

Zum Einordnen: Die Versicherer regulierten laut GDV-Blitzbilanz rund 220.000 Blitz- und Überspannungsschäden mit etwa 350 Millionen Euro - der höchste Wert seit über zwanzig Jahren, rechnerisch alle 2,5 Minuten ein Schaden. Und weil unsere Technik immer wertvoller wird, klettert der Durchschnittsschaden mit. Eine wichtige Grenze noch: Kommt die Überspannung nicht vom Blitz, sondern vom Netzbetreiber oder einem defekten Netzteil, zahlt niemand - auch kein Baustein deckt das ab. Merke dir also: Bei Überspannung ist nicht die Frage, ob es kracht, sondern welches Wörtchen in deinen Bedingungen steht.

Was ist gedeckt - und was nicht? Die Deckungs-Matrix

Grau ist alle Theorie, also machen wir es konkret. Die folgende Tabelle zeigt für die typischen Gaming-Katastrophen, wer zahlt - der Hausrat, eine zusätzliche Elektronikversicherung, oder am Ende niemand.

Szenario

Hausratversicherung

Elektronikversicherung

Blitz/Überspannung

Ja (mit Klausel)

Ja

Einbruchdiebstahl (mit Spuren)

Ja

Teils

Cola über die Tastatur

Nein

Ja

Monitor kippt vom Tisch

Nein

Ja

Grafikkarte überhitzt/defekt

Nein

Nein (ggf. Garantie)

Diebstahl auf der LAN-Party

Nein

Teils

Wohnungsbrand

Ja

Ja

Siehst du das Muster? Der Hausrat deckt die großen, benannten Katastrophen - Brand, Blitz, Einbruch. Die kleinen Alltagsunfälle, die dein Setup viel wahrscheinlicher erwischen, fallen durchs Raster. Der klassische Sturzschaden (die VR-Brille segelt vom Regal, der Monitor kippt) ist nicht versichert. Der Flüssigkeitsschaden auch nicht - und hier wird es fies: Deine verschüttete Cola ist eben kein Leitungswasser im Sinne der Police, das sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe (die Details dazu im Ratgeber zum Leitungswasserschaden). Und stirbt deine Grafikkarte einfach an Überhitzung oder Verschleiß? Dann bist du beim Hersteller-Garantiefall, nicht beim Versicherer.

Der Hausrat ist wie ein Torwart, der nur Elfmeter hält - für die kleinen Fouls im Strafraum brauchst du jemand anderen.

Wann sich eine Elektronikversicherung lohnt

Genau diese kleinen Fouls fängt die Elektronikversicherung (auch Geräteversicherung genannt) ab. Sie arbeitet nach dem Allgefahrenprinzip: Gedeckt ist grundsätzlich alles, was nicht ausdrücklich ausgeschlossen ist - also auch Sturz, Displaybruch, Flüssigkeit, Kurzschluss und Bedienfehler. Für den Gaming-Laptop, der ständig mit auf die Couch, in den Zug und zu Freunden wandert, kann das der entscheidende Baustein sein. Wer seinen Gaming Laptop versichern will, ist mit reinem Hausratschutz nämlich schnell aufgeschmissen, sobald das Gerät die Wohnung verlässt.

Aber - und dieses Aber ist bei schnell alternder Hardware groß - lies das Kleingedruckte zum Alter. Viele Elektronik-Tarife zahlen den Neuwert nur in den ersten ein bis zwei Jahren und staffeln danach auf den Zeitwert ab. Was heißt das für dich? Deine drei Jahre alte High-End-Grafikkarte, die neu 900 Euro kostete, ist im Zeitwert vielleicht nur noch die Hälfte wert - und genau die Hälfte bekommst du dann. Wie Neuwert und Zeitwert grundsätzlich funktionieren, erklärt der Ratgeber zu Zeitwert und Neuwert. Dazu kommt fast immer eine Selbstbeteiligung, also der Betrag, den du im Schaden selbst trägst.

Kurz gesagt: Die Elektronikversicherung schließt die Türen, die dein Hausrat offenlässt - aber nur so weit, wie die Zeitwert-Staffel und die Selbstbeteiligung sie aufhalten. Rechne, bevor du unterschreibst.

Wie versichere ich einen selbst gebauten PC?

Genau wie einen fertigen: Dein Eigenbau ist als Hausrat versichert, denn versichert ist dein Eigentum, nicht der Kaufweg. Der Knackpunkt ist der Nachweis. Sammle alle Einzelrechnungen der Komponenten, eine Stückliste, Fotos vom offenen Gehäuse, die Seriennummern von Grafikkarte und Mainboard sowie Kontoauszüge als Zahlungsbeleg.

Und hier wird es für Selbstbauer richtig unangenehm. Beim Fertig-PC gibt es eine Rechnung, fertig. Beim Eigenbau-PC sieht die Realität so aus: Die Grafikkarte kam von Mindfactory, die CPU von Amazon, der RAM von eBay, das Netzteil aus dem Mindstar-Angebot um drei Uhr nachts. Die Belege? Verstreut über drei E-Mail-Postfächer, zwei Marktplatz-Konten und eine Bestellhistorie, die du seit Monaten nicht offen hattest. Wenn der Versicherer nach dem Wert deiner Einzelteile fragt, beginnt die große E-Mail-Postfach-Archäologie - im schlimmsten Fall nach einem Brand, wenn die Zeit ohnehin knapp ist.

Damit du im Ernstfall nicht suchen musst, hier deine Nachweis-Checkliste:

  • Einzelrechnungen aller Komponenten - GPU, CPU, Mainboard, RAM, Netzteil, Kühlung, Gehäuse, Speicher.
  • Stückliste bzw. Konfigurationsliste mit Modellbezeichnung und Kaufpreis pro Teil.
  • Fotos vom geöffneten Gehäuse, auf denen die verbauten Komponenten erkennbar sind.
  • Seriennummern der wertvollsten Teile, allen voran Grafikkarte und Mainboard.
  • Kontoauszüge als Zahlungsnachweis, falls eine Rechnung fehlt oder unauffindbar ist.

Genau an dieser Stelle wird eine digitale Inventar-App zum Retter. Eine App wie Hausratgenie erfasst jede Komponente per Foto, bündelt Seriennummern, Kaufdatum und Einzelrechnungen an einem Ort und rechnet dir den echten Gesamtwert deines Setups zusammen - also genau die Zahl, die du für die richtige Versicherungssumme brauchst. Ob reine Fotos als Beleg genügen, klärt übrigens der Ratgeber zu Fotos als Schadensnachweis. Der Aufwand? Ein entspannter Nachmittag. Der Ertrag? Dass aus "können Sie das belegen?" ein glattes "hier, alles da" wird.

Ist der PC auf der LAN-Party versichert?

Teilweise. Über die Außenversicherung ist dein Setup auch außerhalb der Wohnung geschützt - aber gegen dieselben benannten Gefahren wie zu Hause und meist nur bis rund 10 Prozent der Versicherungssumme. Wird der Rechner unbeaufsichtigt geklaut, ist das einfacher Diebstahl - und der ist nicht gedeckt.

Die Außenversicherung steckt automatisch in fast jeder Hausratpolice und nimmt deinen Hausrat mit vor die Tür. Aber sie hat zwei Bremsen: Sie ist zeitlich befristet (typisch drei bis sechs Monate am Stück) und der Höhe nach gedeckelt (üblicherweise rund 10 Prozent der Versicherungssumme). Die Grundlagen dazu findest du im Ratgeber zum Hausrat außerhalb der Wohnung.

Und jetzt die LAN-Falle: Die Außenversicherung deckt dieselben Gefahren wie daheim, nicht mehr. Bricht nachts jemand in die Halle ein und räumt die Tische leer - Einbruchdiebstahl, gedeckt. Verschwindet dein Rechner, während du dir kurz eine Pizza holst - einfacher Diebstahl, also kein Geld. Dasselbe gilt für den Rucksack, der im Zug liegenbleibt, oder das Auto ohne Aufbruchspuren. Der Unterschied zwischen "jemand bricht auf und nimmt mit" und "etwas wird unbeaufsichtigt entwendet" ist die Trennlinie, an der auf der LAN die meisten Ansprüche kippen. Nimm das "im Blick behalten" also wörtlich - der Versicherer tut es auch.

Kleine Wohnung, teures Setup: die Unterversicherungs-Falle

Zum Schluss die Falle, die keiner kommen sieht, weil sie sich hinter einer harmlosen Formel versteckt. Viele Versicherer setzen die Versicherungssumme pauschal pro Quadratmeter an - marktüblich etwa 650 bis 750 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Für die WG-Bude mit Ikea-Regal und Secondhand-Couch passt das oft. Für dich mit dem 5.000-Euro-Battlestation auf 25 Quadratmetern? Überhaupt nicht.

Rechne es kurz durch: 25 Quadratmeter mal 700 Euro ergibt 17.500 Euro Versicherungssumme. Klingt viel - bis dein Setup, die Konsolen, das Fernseh-Equipment und der restliche Hausrat den Wert überschreiten. Dann rutschst du in die Unterversicherung, und die tut im Schaden richtig weh: Der Versicherer kürzt anteilig, selbst wenn nur die Grafikkarte betroffen ist. Warum? Weil er nur den Anteil zahlt, den deine (zu niedrige) Summe am echten Wert ausmacht.

Die Lösung ist unspektakulär, aber wirksam: Bemiss die Summe am realen Wiederbeschaffungswert deines gesamten Hausrats und vereinbare einen Unterversicherungsverzicht - dann verzichtet der Versicherer im Schadenfall auf die Kürzung. Wie du deinen echten Wert ermittelst und die Falle vermeidest, zeigt der Ratgeber zur Unterversicherung. Und die kleine Ironie? Ausgerechnet die kleinste Wohnung mit dem teuersten Setup ist am stärksten unterversichert.

PraxiserfahrungIllustratives Beispiel zur Veranschaulichung der Nachweispflicht beim Eigenbau-PC - kein realer Einzelfall.

Zwei Selbstbauer, beiden brennt nach einem Schwelbrand am Netzteil das halbe Setup ab. Der eine kramt wochenlang durch alte Mails, findet drei von acht Rechnungen und bekommt für den Rest nur einen geschätzten Bruchteil erstattet. Der andere hatte Monate vorher jede Komponente per App fotografiert, Seriennummern und Einzelrechnungen hinterlegt und den Gesamtwert dokumentiert. Seine Regulierung läuft glatt, weil Existenz, Wert und Eigentum lückenlos feststehen - inklusive der GPU von Mindfactory und dem RAM von eBay.

Sichere den Wert deines Setups

Erfasse PC, Monitore, Konsole und jede Eigenbau-Komponente per Foto, halte Seriennummern, Rechnungen und Werte an einem Ort fest und sieh auf einen Blick, was dein Setup wirklich wert ist - griffbereit für den Tag, an dem der Versicherer nach Nachweisen fragt.

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Häufige Fragen

Quellen

  • GDV (Gesamtverband der Deutschen Versicherer), Blitzbilanz - Zahlen zu Blitz- und Überspannungsschäden und Durchschnittsschaden: https://www.gdv.de/gdv/medien/medieninformationen/gdv-blitzbilanz-alle-2-5-minuten-ein-blitzschaden-189098
  • GDV, Medieninformation zu Wohnungseinbrüchen und Schadendurchschnitt: https://www.gdv.de/gdv/medien/medieninformationen/zahl-der-wohnungseinbrueche-bleibt-hoch-versicherungsschaeden-klettern-auf-350-millionen-euro-187280
  • Stiftung Warentest, Ratgeber zu Überspannungsschäden und Blitzschutz in der Hausratversicherung: https://www.test.de
  • Verbraucherzentrale, Informationen zu Hausratversicherung, benannten Gefahren und Elektronikschutz: https://www.verbraucherzentrale.de
  • Versicherungsvertragsgesetz (VVG), § 81 (Herbeiführung des Versicherungsfalls / grobe Fahrlässigkeit): https://www.gesetze-im-internet.de/vvg_2008/__81.html