
Hausrat in der vermieteten Ferienwohnung und bei Airbnb richtig versichern
Sonntagabend, der letzte Gast ist abgereist, du machst die Tür auf - und das Sofa hat einen Rotweinfleck in der Größe einer Schallplatte. Daneben: ein Riss in der Glasplatte des Couchtischs, ein verschwundenes Designer-Kissen. Du rechnest im Kopf zusammen. Dann denkst du: "Egal, dafür hab ich ja meine Versicherung." Und genau hier wird es interessant.
Denn wenn du eine Ferienwohnung vermietest, ist deine ganz normale Hausratversicherung in den allermeisten Fällen genau das: ganz normal nicht zuständig. Der Hausrat in der Ferienwohnung fällt durch ein Raster, das die wenigsten Vermieter kennen, bevor es zu spät ist. Die gute Nachricht: Das Raster hat ein Muster - und wenn du es einmal verstanden hast, schließt du die Lücke in einem Nachmittag.
Geschrieben von
René Corten
Zertifizierter Sachverständiger (DGUSV)
René begutachtet Schadensfälle für große Versicherer - mit DGUSV-Zertifizierung und hunderten Gutachten im Rücken. Was er dabei am häufigsten sieht: fehlende Nachweise. Deshalb hat er Hausratgenie gegründet und schreibt hier, was du wissen solltest, bevor es drauf ankommt.
Das Wichtigste in 30 Sekunden
- Deine private Hausratversicherung schützt deinen Erstwohnsitz - eine dauerhaft vermietete Ferienwohnung ist über die Außenversicherung nicht gedeckt.
- Du brauchst eine eigene Inhalts- oder Inventarversicherung für das Vermieter-Inventar, oft als Ferienimmobilien-Police mit Gebäude, Inhalt und Haftpflicht.
- Häufiges Vermieten gilt laut GDV "in der Regel" als gewerblich - dann greifen private Hausrat und Privathaftpflicht nicht mehr.
- AirCover von Airbnb ist ausdrücklich keine Versicherung und ersetzt keine eigene Police.
- Ohne dokumentiertes Inventar mit Werten und Belegen wird die Schadenregulierung zur Beweislast-Schlacht - und die liegt bei dir.
Warum zahlt meine normale Hausratversicherung in der Ferienwohnung nicht?
Weil deine Hausratversicherung an deinen Erstwohnsitz gekoppelt ist - nicht an dich als Person. Sie versichert die Sachen in deiner ständig bewohnten Hauptwohnung. Über die sogenannte Außenversicherung sind deine Sachen zwar auch unterwegs geschützt (Laptop im Hotel, Koffer im Zug), aber eben nur vorübergehend ausgelagerter Hausrat - nicht eine zweite, dauerhaft eingerichtete Wohnung, in der wildfremde Gäste übernachten.
Stell dir deine Hausratversicherung wie einen Regenschirm vor: groß genug für dich und das, was du dabeihast - aber er spannt sich nicht über ein zweites Haus auf der anderen Seite der Stadt. Eine reine Zweitwohnung ist je nach Tarif oft nur anteilig mitversichert, typisch 15 % der Versicherungssumme oder maximal 15.000 €. Sobald du an wechselnde Gäste vermietest, entfällt dieser Restschutz in der Regel komplett. Keine Schikane der Versicherer, sondern simple Logik: ein anderes Risiko, ein anderer Vertrag.
„Sind Sie Eigentümer eines Ferienhauses oder einer Ferienwohnung, ist der Hausrat im Feriendomizil nicht über die Außenversicherung abgedeckt."
Die Grundlagen deiner privaten Police - wer wann was zahlt, Mieter oder Eigentümer - findest du kompakt im Ratgeber zur Hausratversicherung für Mieter und Eigentümer. Für die Ferienwohnung gilt aber: andere Baustelle, eigener Vertrag. Stadtwohnungs-Police und FeWo sind zwei Paar Schuhe - und nur einen davon trägst du gerade.
Hausratversicherung oder Inhaltsversicherung - was ist der Unterschied?
Funktional sind sie Geschwister, juristisch nicht. Die Hausratversicherung ist das private Produkt für privat genutzten Wohnraum. Die Inhaltsversicherung (auch Inventarversicherung genannt) ist ihr gewerbliches Pendant und versichert die Einrichtung, die du zum Geldverdienen einsetzt. Inhaltlich decken beide ähnliche Gefahren ab - Feuer, Leitungswasser, Sturm, Einbruch und Co. -, nur sitzt ein anderer Vertragstyp mit anderen Bedingungen dahinter.
In gewerblichen Policen heißt dein Mobiliar dann nicht mehr "Hausrat", sondern Betriebseinrichtung - das signalisiert, dass die Sachen einem Vermietungsbetrieb dienen, nicht deinem Feierabend auf dem Sofa. Für Ferienwohnungen gibt es deshalb meist gebündelte Ferienimmobilien-Policen mit drei Bausteinen: Gebäude, Inhalt/Hausrat und Haftpflicht. Den Inhaltsbaustein kannst du oft als Allgefahrendeckung abschließen - die versichert grob gesagt alles, was nicht ausdrücklich ausgeschlossen ist, statt nur eine fest aufgezählte Liste von Gefahren. Der Unterschied zwischen "Hausrat" und "Inventarversicherung" entscheidet im Schadenfall darüber, ob du Geld bekommst oder eine höfliche Absage.
Bin ich privater oder gewerblicher Vermieter - und warum ist das so wichtig?
Sobald du regelmäßig und kurzfristig vermietest, rutschst du schnell in die gewerbliche Ecke - und private Verträge steigen dann aus. Der GDV stuft häufiges Vermieten ausdrücklich als unternehmerische Tätigkeit ein. Indizien sind hotelähnliche Leistungen (Reinigung, Frühstück, Wäsche), mehrere Einheiten oder ein Gewinn über der Gewerbesteuer-Freigrenze von 24.500 € pro Jahr. Dann greifen weder deine private Hausrat noch deine Privathaftpflicht - und du brauchst stattdessen Inhalts- und Betriebshaftpflicht.
„Das häufige Vermieten der eigenen vier Wände entspricht in der Regel einer gewerblichen Tätigkeit."
Was heißt das praktisch? Wer einmal im Sommer die Ferienwohnung der Oma an Bekannte gibt, ist meist noch privat. Wer jedes Wochenende auf Airbnb (oder Booking, oder Vrbo) bucht, eher nicht. Die Grauzone ist breit, und genau deshalb gilt: Sag deinem Versicherer ehrlich, was du tust. Eine falsche Nutzungsangabe - "ist nur eine Zweitwohnung", obwohl du sie 200 Nächte im Jahr vermietest - ist eine verletzte Obliegenheit und kann dir im Schadenfall den kompletten Schutz kosten. Ehrlichkeit ist hier kein moralischer Bonus, sondern Vertragsbedingung.
Wer haftet, wenn ein Gast etwas kaputt macht?
Der Gast haftet für das, was er fahrlässig oder vorsätzlich beschädigt - normale Abnutzung trägst du. Der Haken: Die Beweislast liegt bei dir als Vermieter. Du musst zeigen, dass die Macke vorher nicht da war. Bei unabsichtlichen Schäden springt theoretisch die Privathaftpflicht des Gastes ein - aber nur, wenn er überhaupt eine hat und wenn der Baustein Mietsachschäden eingeschlossen ist (der ist es oft nicht).
Und Vorsatz? Die durchgezechte Party, das absichtlich ruinierte Sofa, Vandalismus durch Gäste? Dafür zahlt keine Privathaftpflicht der Welt. Dann bleiben dir zwei Wege: die Kaution - falls sie reicht, was sie selten tut - oder deine eigene Inhaltsversicherung mit einem Vandalismus-Baustein. Auch Glasbruch ist so ein Klassiker, der meist separat eingeschlossen werden muss (die zersprungene Cerankochfeld-Platte ist erstaunlich teuer).
Daneben gibt es eine zweite Haftungsfrage, die nichts mit den Gästen, sondern mit deinem Gebäude zu tun hat: die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht, oft auch Vermieterhaftpflicht genannt. Sie greift, wenn ein Schaden vom Objekt ausgeht - die lose Treppenstufe, an der sich ein Gast den Knöchel bricht, der Dachziegel auf dem Mietwagen. Stichwort Verkehrssicherungspflicht. Bei kleiner privater Vermietung ist sie manchmal in einer guten Privathaftpflicht enthalten - aber bitte explizit nachschauen, nicht hoffen. Hoffen ist keine Versicherungsstrategie.
Reicht AirCover von Airbnb nicht aus?
Nein - und das sagt Airbnb selbst. AirCover bietet eine Host-Schadendeckung von bis zu 3 Mio. $ und einen Haftpflichtschutz von 1 Mio. $. Klingt nach einem Sicherheitsnetz aus Stahlseil. Aber es ist ausdrücklich keine Versicherung, sondern eine freiwillige Garantieleistung der Plattform - ohne einklagbaren Rechtsanspruch, mit Ausschlüssen (Abnutzung, Schimmel und mehr) und nur für Aufenthalte, die tatsächlich über Airbnb gebucht wurden.
„Host damage protection isn't an insurance policy, and not all damage is included within its terms."
Heißt konkret: Bucht jemand direkt bei dir oder über eine andere Plattform, ist AirCover komplett raus. Und selbst bei Airbnb-Buchungen empfiehlt die Plattform dir wörtlich, zusätzlich eine eigene Versicherung abzuschließen. Wenn dir der Anbieter selbst sagt "verlass dich nicht nur auf uns", solltest du zuhören. AirCover ist ein nettes Extra obendrauf - aber kein Fundament für dein Vermietungsgeschäft.
Welche Gefahren solltest du abdecken - und wie hoch ist das Risiko wirklich?
Es geht nicht nur um den unglücklichen Gast. Die größten Brocken sind die üblichen Verdächtigen: Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel, Einbruchdiebstahl. Zur Einordnung ein paar Zahlen aus der Schadenstatistik des GDV: Leitungswasserschäden an Wohngebäuden summieren sich auf rund 4,9 Mrd. € Schadenaufwand, ein durchschnittlicher Einbruch in den Hausrat kostet etwa 3.800 €, Feuerschäden am Hausrat liegen bei rund 440 Mio. €. Keine Panikmache - nur die Erinnerung, dass eine leerstehende Wohnung zwischen zwei Buchungen nicht weiß, dass gerade niemand da ist, wenn der Waschmaschinenschlauch platzt.
Über den Standardbausteinen lohnt ein Blick auf zwei Ergänzungen: Elementarschäden (Überschwemmung, Starkregen, Erdrutsch) sind fast immer ein Zusatzbaustein, kein Automatismus - bei einer FeWo am Hang oder am Fluss kein Luxus. Und Wertsachen sind in Ferienobjekten oft nur begrenzt versichert, weil das Diebstahlrisiko durch wechselnde Gäste höher liegt. Das teure Designer-Geschirr bleibt vielleicht besser im Schrank deiner Stadtwohnung.
Wie lange deine Wohnung leer stehen darf, ohne dass der Schutz wackelt, und welche Obliegenheiten dabei greifen, ist ein Thema für sich - das streifen wir hier nur an und vertiefen es im Ratgeber Hausrat vor dem Urlaub absichern, der die Leerstand-Frage sauber aufdröselt. Das Grundprinzip der Außenversicherung, also wann dein Hausrat überhaupt außerhalb der eigenen vier Wände greift, ist ebenfalls einen eigenen Blick wert: Hausrat außerhalb der Wohnung.
Wie hoch muss die Versicherungssumme sein - und der Unterversicherungs-Trick
Hier wird es spannend, denn jetzt geht es um Geld, das du im Schadenfall tatsächlich siehst. Viele Tarife bieten einen Unterversicherungsverzicht: Du setzt eine Pauschale pro Quadratmeter an - üblich sind 650 bis 800 €/m² nach dem GDV-Quadratmetermodell - und der Versicherer verzichtet darauf, im Schadenfall die Leistung anteilig zu kürzen, falls deine Summe zu niedrig war.
Klingt bequem, hat aber einen Haken speziell für Ferienwohnungen: Die Pauschale ist auf durchschnittliche Privathaushalte geeicht - ein bisschen Ikea, ein bisschen Erbstück, ein Fernseher. Eine durchgängig hochwertig möblierte FeWo (Designer-Küche, Boxspringbetten in jedem Zimmer, Smart-TV pro Raum) sprengt diese Pauschale schnell. Dann hilft die Quadratmeter-Rechnung nichts - du brauchst eine echte Einzelwertaufstellung. Was hinter Unterversicherung und der gefürchteten proportionalen Kürzung steckt, reißen wir hier nur an; das ganze Mechanik-Detail liegt im Ratgeber Unterversicherung vermeiden, und wie du deine Summe konkret prüfst, zeigt Unterversicherung prüfen. Eine grobe Pauschale ist wie eine Schuhgröße, die "passt schon ungefähr" - bis du damit einen Marathon laufen sollst.
Dokumentation: Der Teil, den fast alle vergessen - und teuer bezahlen
Jetzt der wichtigste Punkt, und der hat nichts mit dem Kleingedruckten zu tun, sondern mit dir. Egal wie gut deine Police ist: Wenn ein Schaden eintritt, will der Versicherer wissen, was kaputt ist, was es wert war und dass es überhaupt da war. Fotos, Werteliste, Belege - das ist die Grundlage jeder Schadenregulierung, nicht die Kür. Bei Einbruch verlangen viele Versicherer sogar binnen einer Woche eine Stehlgutliste.
PraxiserfahrungWasserschaden in vermieteter Ferienwohnung, zwei Vermieter mit identischer Police
Zwei Vermieter, identische Police. Bei beiden flutet ein Wasserschaden die Ferienwohnung: durchnässtes Sofa, ruiniertes Parkett, kaputter Fernseher. Vermieter A kramt alte Handyfotos zusammen, schätzt Werte aus dem Gedächtnis, findet kaum Belege. Der Versicherer kürzt, weil der Nachweis dünn ist - aus geschätzten 12.000 € werden 6.500 €, nach Wochen Hin und Her. Vermieter B hat dasselbe Inventar vorab per Foto mit Einzelwerten und Kaufbelegen erfasst, exportiert ein PDF, schickt es mit der Schadenmeldung - der Sachbearbeiter hakt es ab. Reguliert in Tagen, in voller Höhe. Gleicher Schaden, gleicher Vertrag - der einzige Unterschied war die Vorarbeit.
Genau hier wird aus einem nervigen To-do ein echter Hebel. Eine digitale Inventar-App wie Hausratgenie lässt dich jeden Gegenstand per Foto erfassen, Wert und Beleg hinterlegen, die KI sortiert automatisch nach Raum und Kategorie. Am Ende steht eine saubere Wertübersicht - genau die brauchst du, um deine Versicherungssumme realistisch statt nach grober Pauschale anzusetzen. Wie viel ein Foto im Ernstfall wert ist, vertieft der Ratgeber Fotos als Schadensnachweis.
Der zweite, oft übersehene Nutzen: Dasselbe Inventar-PDF ist deine Referenz fürs Übergabeprotokoll beim Gästewechsel. Check-in, Check-out, ein Abgleich gegen die dokumentierte Liste - und schon ist die Beweislast, dass der Kratzer vom letzten Gast stammt, kein Wortgefecht mehr, sondern ein Vorher-Nachher-Vergleich. Ein Foto-Inventar mit Werten und PDF-Export erschlägt damit drei Probleme auf einmal: korrekte Versicherungssumme, Schadennachweis gegenüber dem Versicherer und Beweissicherung gegenüber dem Gast.
Ein Hinweis zum Schluss, ohne erhobenen Zeigefinger: Versicherungsbedingungen und Tarife sind individuell. Lies dein Kleingedrucktes und frag im Zweifel einen unabhängigen Versicherungsberater - das hier ersetzt keine persönliche Beratung, sondern hilft dir, die richtigen Fragen zu stellen.
Mach dein Ferienwohnung-Inventar wasserdicht
Erfasse jedes Möbelstück per Foto, hinterlege Werte und Belege und exportiere ein PDF - als Grundlage für deine Versicherungssumme, als Schadennachweis und als Referenz fürs Übergabeprotokoll beim Gästewechsel.