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Unterversicherung & Unterversicherungsverzicht: So gehst du im Hausrat nicht leer aus
Versicherungssumme & Grundlagen

Unterversicherung & Unterversicherungsverzicht: So gehst du im Hausrat nicht leer aus

Stell dir vor: Deine Waschmaschine hat beschlossen, dass heute ein guter Tag ist, um deinen gesamten Keller unter Wasser zu setzen. Dein Home-Office-Setup, die neue Werkbank, die Campingausrüstung - alles hinüber. Du meldest den Schaden, lehnst dich zurück und denkst: "Zum Glück hab ich ja eine Versicherung."

Dann kommt der Brief. Und statt der erwarteten 6.000 Euro stehen da plötzlich nur 3.600 Euro. Nein, das ist kein Tippfehler. Das ist Unterversicherung. Und sie trifft deutlich mehr Menschen, als du denkst.

Das Fiese daran: Du merkst es erst, wenn es zu spät ist. Die Beiträge werden brav bezahlt, der Vertrag liegt in der Schublade - und trotzdem zahlt die Versicherung im Ernstfall nur einen Teil. Klingt unfair? Ist es irgendwie auch. Aber es lässt sich vermeiden.

Geschrieben von

René Corten

Zertifizierter Sachverständiger (DGUSV)

René begutachtet Schadensfälle für große Versicherer - mit DGUSV-Zertifizierung und hunderten Gutachten im Rücken. Was er dabei am häufigsten sieht: fehlende Nachweise. Deshalb hat er Hausratgenie gegründet und schreibt hier, was du wissen solltest, bevor es drauf ankommt.

Was ist Unterversicherung - und warum ist sie so tückisch?

Kurz gesagt: Unterversicherung bedeutet, dass deine Versicherungssumme niedriger ist als der tatsächliche Neuwert deines Hausrats. Du bist versichert - aber eben nicht genug.

Denk an einen Regenschirm, der nur halb so groß ist wie du. Klar, besser als nichts. Aber bei richtigem Regen wirst du trotzdem nass.

Das Gemeine ist die sogenannte proportionale Kürzung. Die steht sogar im Gesetz (Paragraph 75 VVG, falls du mal bei einer Dinnerparty angeben willst). Der Versicherer schaut sich an, wie stark du unterversichert bist - und kürzt deine Erstattung im gleichen Verhältnis.

Die Formel dahinter ist simpel, aber schmerzhaft:

Erstattung = Schadenshöhe x (Versicherungssumme / tatsächlicher Wert)

Und jetzt kommt der Clou: Das gilt nicht nur, wenn deine komplette Wohnung abbrennt. Die Kürzung greift auch bei Teilschäden. Also selbst wenn nur dein Laptop geklaut wird, bekommst du nicht den vollen Betrag - sondern nur den proportional gekürzten Anteil.

Unterversicherung betrifft jeden Schadenfall

Viele denken, die Kürzung greift nur beim Totalverlust. Falsch. Ob Einbruch, Wasserschaden oder Feuer - bei jedem einzelnen Schadenfall wird geprüft, ob eine Unterversicherung vorliegt. Und bei jedem einzelnen Schadenfall wird gekürzt.

Wie entsteht Unterversicherung? Die häufigsten Ursachen

Niemand versichert sich absichtlich falsch. Meistens passiert es schleichend - wie das graue Haar, das du eines Morgens im Spiegel entdeckst.

Du unterschätzt, was du besitzt

Hand aufs Herz: Weißt du, was in deiner Wohnung steht? Nicht ungefähr, sondern wirklich auf den Euro genau? Die meisten Menschen tippen auf einen Wert, der deutlich unter der Realität liegt. Allein der Inhalt deines Kleiderschranks summiert sich oft auf mehrere Tausend Euro.

Ohne eine ordentliche Hausrat-Inventarliste ist das wie Schätzen im Dunkeln. Und meistens verschätzt man sich nach unten.

Dein Leben hat sich verändert - dein Vertrag nicht

Vor fünf Jahren hattest du ein WG-Zimmer mit IKEA-Regal und gebrauchtem Sofa. Heute steht da eine neue Einbauküche, ein E-Bike im Keller und ein Home-Office-Setup, das mehr kostet als dein erstes Auto.

Die klassischen Auslöser:

  • Neuanschaffungen: Neue Küche, E-Bike, Gaming-Setup, Fitnessgeräte
  • Umzug: Größere Wohnung, aber gleiche Versicherungssumme
  • Zusammenzug: Zwei Haushalte werden zu einem - aber die Versicherungssumme bleibt auf Ein-Personen-Niveau
  • Erbschaften: Omas Silberbesteck und Opas Uhrensammlung erhöhen den Wert deines Hausrats erheblich

Die Inflation frisst deinen Schutz

Alles wird teurer. Dein Sofa, deine Waschmaschine, dein Fernseher. Wenn deine Versicherungssumme seit Jahren gleich geblieben ist, schrumpft dein Schutz mit jeder Preiserhöhung ein Stückchen mehr. Wie ein Pullover in der Kochwäsche.

Du sparst am falschen Ende

Manche wählen bewusst eine niedrigere Versicherungssumme, um ein paar Euro beim Beitrag zu sparen. Klingt erstmal clever. Ist es aber nicht. Denn die Ersparnis beim Beitrag steht in keinem Verhältnis zum Risiko, das du eingehst.

PraxiserfahrungJunges Paar nach Zusammenzug

Nach dem Zusammenzug hatte Sarah noch ihren alten Vertrag aus der Studentenwohnung laufen - versichert auf 15.000 Euro. Der tatsächliche Hausratwert lag mittlerweile bei über 45.000 Euro. Als nach einem Rohrbruch das Wohnzimmer unter Wasser stand, bekam sie für den Schaden von 8.000 Euro nur rund 2.700 Euro erstattet. Die restlichen 5.300 Euro? Musste sie selbst zahlen. Ein kurzer Wert-Check hätte das Ganze verhindert.

Was passiert im Schadenfall? So rechnet die Versicherung

Jetzt wird es konkret. Keine Sorge, die Mathe ist nicht kompliziert - aber die Ergebnisse sind es, die wehtun.

Rechenbeispiel 1: Wasserschaden

  • Tatsächlicher Wert deines Hausrats: 50.000 Euro
  • Deine Versicherungssumme: 30.000 Euro (also nur 60 % des tatsächlichen Werts)
  • Schaden durch Wasserschaden: 6.000 Euro

Rechnung: 6.000 Euro x (30.000 / 50.000) = 3.600 Euro Erstattung

Dir fehlen also 2.400 Euro. Das ist eine neue Waschmaschine plus Trockner - die du jetzt aus eigener Tasche bezahlen darfst.

Rechenbeispiel 2: Einbruch

  • Tatsächlicher Wert deines Hausrats: 80.000 Euro
  • Deine Versicherungssumme: 40.000 Euro (nur 50 %)
  • Gestohlene Gegenstände im Wert von: 12.000 Euro

Rechnung: 12.000 Euro x (40.000 / 80.000) = 6.000 Euro Erstattung

Die Hälfte deines Schadens trägst du selbst. Da kann die beste Alarmanlage keinen Trost mehr spenden.

Rechenbeispiel 3: Brand in der Küche

  • Tatsächlicher Wert deines Hausrats: 60.000 Euro
  • Deine Versicherungssumme: 25.000 Euro (ca. 42 %)
  • Schaden durch Küchenbrand: 20.000 Euro

Rechnung: 20.000 Euro x (25.000 / 60.000) = 8.333 Euro Erstattung

Statt 20.000 Euro bekommst du nicht mal die Hälfte. Da brennt nicht nur die Küche, sondern auch ein Loch im Geldbeutel.

Wertsachen haben eigene Grenzen

Selbst wenn deine Gesamtsumme stimmt, gibt es bei Wertsachen oft separate Obergrenzen. Schmuck, Bargeld, Kunst und Sammlerstücke sind standardmäßig nur bis 20 % der Versicherungssumme abgedeckt. Bargeld ist häufig auf 1.000 bis 2.000 Euro begrenzt. Wenn du teure Einzelstücke besitzt, check unbedingt die Sublimits in deinem Vertrag.

Unterversicherungsverzicht: Was er bedeutet und wann er sinnvoll ist

Klingt sperrig, ist aber Gold wert. Beim Unterversicherungsverzicht verzichtet der Versicherer darauf, im Schadenfall zu prüfen, ob du unterversichert bist.

Heißt im Klartext: Selbst wenn dein Hausrat mehr wert ist als deine Versicherungssumme, wird nicht gekürzt. Dein Schaden wird bis zur vereinbarten Summe voll bezahlt.

So funktioniert er in der Praxis

Die meisten Versicherer bieten den Unterversicherungsverzicht über das sogenannte Quadratmetermodell an. Die Idee dahinter ist simpel:

Versicherungssumme = Wohnfläche x Richtwert pro m2

Der Richtwert liegt bei mindestens 650 Euro pro Quadratmeter - das empfiehlt auch die Stiftung Warentest. Manche Versicherer rechnen mit 700 oder sogar 750 Euro.

Beispiel: Du wohnst auf 80 Quadratmetern.

80 m2 x 650 Euro = 52.000 Euro Versicherungssumme

Solange du die korrekte Wohnfläche angibst und die Mindest-Versicherungssumme einhältst, ist der Unterversicherungsverzicht automatisch mit drin. Kein Extra-Aufpreis, kein Kleingedrucktes.

„Der Unterversicherungsverzicht ist eines der wichtigsten Features in der Hausratversicherung - und gleichzeitig eines der am meisten unterschätzten. Wer seine Wohnfläche korrekt angibt und das Quadratmetermodell nutzt, schläft im Ernstfall deutlich ruhiger."

Martin Keller– Versicherungsberater

Aber Achtung: Kein Freifahrtschein

Der Unterversicherungsverzicht hat seine Grenzen. Erstens: Du bekommst trotzdem maximal die vereinbarte Versicherungssumme. Wenn dein Hausrat 100.000 Euro wert ist und du nur 52.000 Euro versichert hast, bekommst du bei einem Totalverlust eben nur 52.000 Euro - aber immerhin ohne proportionale Kürzung bei Teilschäden.

Zweitens: Die Wohnflächenangabe muss stimmen. Wer hier schummelt, verliert den Verzicht.

Und drittens: Wenn du in einer kleinen Wohnung besonders hochwertig eingerichtet bist, reicht der Quadratmeter-Richtwert möglicherweise nicht aus. Eine 40-m2-Wohnung mit Designer-Möbeln, High-End-Elektronik und einer Kunstsammlung? Da sind 26.000 Euro Versicherungssumme vielleicht etwas optimistisch.

Quadratmetermodell ist nicht immer genug

Der Richtwert von 650 Euro pro Quadratmeter deckt einen durchschnittlichen Haushalt ab. Wenn du hochwertige Möbel, teure Elektronik oder Sammlerstücke besitzt, solltest du deinen tatsächlichen Hausratwert berechnen und die Summe gegebenenfalls individuell anpassen.

Ist der Unterversicherungsverzicht sinnvoll?

Für die meisten Haushalte: ja. Er kostet in der Regel nichts extra, weil er an die Versicherungssumme nach dem Quadratmetermodell gekoppelt ist, und er nimmt dir das Risiko der proportionalen Kürzung ab. Gerade wenn du deinen Hausrat nie genau erfasst hast, ist das die wichtigste Absicherung in deinem Vertrag.

An seine Grenze kommt er, wenn dein Hausrat deutlich mehr wert ist als der Richtwert. Dann schützt dich der Verzicht zwar vor der Kürzung, aber nicht vor der Obergrenze: Mehr als die Versicherungssumme zahlt der Versicherer nie. In dem Fall ist eine höhere Summe auf Basis einer Inventur die bessere Wahl. Den Verzicht verlierst du dadurch in der Regel nicht, denn das Quadratmetermodell verlangt nur eine Mindestsumme.

Woran erkennst du ihn in deiner Police?

Such im Versicherungsschein nach Formulierungen wie „Unterversicherungsverzicht“ oder „Verzicht auf den Einwand der Unterversicherung“ oder nach einem Hinweis, dass die Versicherungssumme aus der Wohnfläche berechnet wurde. Steht nichts davon drin, frag bei deinem Versicherer nach, bevor du von einem Verzicht ausgehst.

Warum 650 Euro pro Quadratmeter heute oft zu knapp werden

650 Euro pro Quadratmeter - diese Zahl stammt aus einer Zeit, in der niemand ein E-Bike für 4.000 Euro im Keller stehen hatte. Heute sieht die Statistik anders aus: Der deutsche E-Bike-Bestand hat sich in wenigen Jahren von rund 5,4 Millionen auf etwa 11 Millionen verdoppelt. Die Durchschnittspreise sind in drei Jahren um 17 Prozent gestiegen (CHECK24-Studie). Der Schadenaufwand in der Hausratversicherung ist laut GDV zuletzt ebenfalls um 17 Prozent nach oben geschossen.

Was bedeutet das konkret? Rechnen wir durch: Eine 80-Quadratmeter-Wohnung, zwei Berufstätige im Home-Office. Pauschale: 80 x 650 = 52.000 Euro Versicherungssumme. Klingt solide. Jetzt die Inventur: Küche 15.000 Euro, zwei Laptops plus Monitore 5.000 Euro, E-Bike 4.500 Euro, Rennrad 2.500 Euro, Sofa und Esstisch 6.000 Euro, Fernseher und HiFi 3.500 Euro, Schmuck 8.000 Euro, Kleidung 6.000 Euro, Küchengeräte und Geschirr 3.000 Euro, Werkzeug 1.500 Euro, Bücher und Sonstiges 4.000 Euro. Summe: 59.000 Euro. Und wir haben noch nicht alles gezählt.

Die Lücke beträgt schon 7.000 Euro - und das, obwohl wir eher konservativ gerechnet haben. Und sie wächst jedes Jahr, in dem du dir was Neues anschaffst - und nichts an der Police änderst. Deshalb lohnt sich der Selbst-Check alle zwei bis drei Jahre, oder nach jeder größeren Anschaffung. Ein E-Bike, eine neue Küche, ein teures Fahrrad - das sind Momente, in denen auch die Versicherungssumme ein Update verdient (Details zum E-Bike-Schutz findest du im Ratgeber Fahrrad und E-Bike versichern).

Pauschale oder Inventur? Wann welches Modell passt

Es gibt zwei Wege, zu einer belastbaren Versicherungssumme zu kommen - und beide haben ihre Berechtigung. Der erste ist das Pauschalmodell: Wohnfläche mal 650 Euro, fertig. Der zweite ist das Summenmodell (oft über einen sogenannten Wertermittlungsbogen umgesetzt), bei dem du Posten für Posten deinen Hausrat durchgehst und eine Inventarliste erstellst. Klingt nach Buchhaltung? Ist es auch. Aber welches Modell für dich das richtige ist, hängt weniger vom Geschmack ab als von dem, was tatsächlich in deiner Wohnung steht.

Für die Pauschale sprichst du, wenn dein Haushalt ein Standardhaushalt ist: durchschnittliche Ausstattung, Mietwohnung ohne teure Einbauküche, keine Einzelstücke, die aus dem Rahmen fallen. Sofa vom schwedischen Möbelriesen, ein solider Fernseher, ein paar Bücher, ein normales Fahrrad. Wer so lebt, fährt mit der Quadratmeter-Formel gut - vor allem, weil daran der Unterversicherungsverzicht hängt. Einmal einstellen, vergessen, geschützt sein.

Für die Inventur sprichst du, wenn dein Zuhause aus der Norm fällt. Hochwertige Einrichtung, teure Einzelstücke (Designmöbel, Hi-Fi-Anlage, Kunst an der Wand), viel Elektronik, ein gut bestücktes Home-Office, Selbstständige mit Arbeitszimmer. In solchen Haushalten sprengt ein einziger Gegenstand oft schon mehrere Quadratmeter Pauschale. Dann brauchst du das Summenmodell, sonst rechnest du dir reich, bist es aber nicht.

Und die Nachteile? Die Pauschale ist schnell und bequem, aber undifferenziert - sie weiß nicht, dass in deinem Wohnzimmer ein Eames-Lounge-Chair steht. Die Inventur ist exakt und hat im Schadensfall echten Beweiswert (Fotos, Kaufdaten, Neuwerte schwarz auf weiß), aber sie kostet dich einen halben Samstag. So wie beim Kochen: Die Pauschale ist wie die Messerspitze-Angabe im Rezept - funktioniert meistens. Für Gourmet-Küche brauchst du die Waage.

Die pragmatische Lösung für die meisten? Beides kombinieren. Die Pauschale als Basis und Schutzmechanismus für den Unterversicherungsverzicht, die Inventarliste als Kontrolle und Absicherung im Ernstfall. Wäre es nicht angenehm, wenn sich beides mit einem einzigen Durchgang erledigen ließe? Genau dafür ist eine Foto-basierte Inventar-App gemacht: Du fotografierst einmal, bekommst die Gesamtsumme für den Pauschale-Check und gleichzeitig eine Inventarliste, die du im Schadensfall vorzeigen kannst. Ein Durchgang, zwei Nachweise. Das spart Nerven - und im Zweifel vierstellige Beträge.

Wie erkenne ich, ob ich unterversichert bin?

Du bist vermutlich unterversichert, wenn deine Versicherungssumme kleiner ist als der Neuwert deines gesamten Hausrats. Der schnellste Test: Rechne Wohnfläche x 650 Euro und vergleiche das Ergebnis mit deiner Police. Liegt deine Summe darunter, ist der Unterversicherungsverzicht in Gefahr - und du solltest genauer hinsehen.

Diese Faustformel ist allerdings nur der Startpunkt. Sie funktioniert für Standardhaushalte mit Standardausstattung. Wer ein E-Bike im Keller hat, ein halbes Fotostudio im Arbeitszimmer oder eine Küche aus dem Premium-Segment, sollte nicht bei der Pauschale stehenbleiben. Dazu gleich mehr - zuerst der Selbst-Check, den du heute machen kannst.

Selbst-Check in 5 Schritten: So prüfst du deine Versicherungssumme

Du brauchst: deine Police, ein Maßband (oder den Mietvertrag mit Wohnflächenangabe), dein Smartphone. Das war's. Keine Tabellen, keine Makler-Termine, keine Abschlussgebühren. Nur eine gute Stunde deiner Zeit - und ein ehrliches Bauchgefühl danach.

Schritt 1: Versicherungssumme aus dem Vertrag herausziehen

Blättere deine Police auf und suche nach "Versicherungssumme" oder "versicherter Hausrat". Notiere die Zahl. Das ist dein Soll. Prüfe gleich mit: Ist ein Unterversicherungsverzicht vermerkt? Meist steht da eine Formulierung wie "pauschale Versicherungssumme von 650 Euro je Quadratmeter Wohnfläche". Wenn ja: halber Sieg. Wenn nein: umso wichtiger, dass die Summe stimmt.

Schritt 2: Wohnfläche sauber ermitteln

Zähle alle Räume, in denen du wohnst - inklusive Flur, Bad, Küche. Balkone und Terrassen zählen meist zur Hälfte, Kellerräume je nach Nutzung. Einige Versicherer rechnen den Hobbyraum mit, andere nicht. Ein Blick in die Vertragsbedingungen lohnt sich. Die ermittelte Quadratmeterzahl multiplizierst du mit der Pauschale deines Versicherers (meist 650 Euro, bei einigen 700 oder 750 Euro).

Schritt 3: Wertgegenstände einzeln addieren

Jetzt wird's konkret. Geh Raum für Raum durch und denke neu: Was würde es heute kosten, diesen Gegenstand neu zu kaufen? Nicht, was du damals bezahlt hast. Neuwert, nicht der alte Kaufpreis - und auch nicht der Zeitwert (also der aktuelle Gebrauchtwert). Warum diese Unterscheidung für deine Versicherungssumme entscheidend ist, erklärt der Ratgeber Neuwert vs. Zeitwert. Die großen Posten: Couch, Fernseher, Laptop, Küche (wenn sie dir gehört - mehr dazu im Ratgeber Einbauküche in der Hausratversicherung), Fahrrad, E-Bike, Schmuck, Waschmaschine, Werkzeug. Fotografiere jeden größeren Posten. Das hilft dir später doppelt - beim Zählen und, falls es mal brennt, bei der Schadensmeldung.

Schritt 4: Vergleichen und Lücke berechnen

Nimm die größere der beiden Zahlen aus Schritt 2 und Schritt 3. Das ist dein realistischer Versicherungswert. Ziehe deine vertragliche Versicherungssumme ab. Ergebnis positiv? Gratulation, du bist auf der sicheren Seite. Ergebnis negativ? Genau die Lücke ist dein Risiko. Und die Lücke ist oft größer als gedacht (vor allem, wenn die Police fünf Jahre alt ist und die Neuwert-Preise seitdem angezogen haben).

Schritt 5: Wertsachen-Grenzen gegenchecken

Selbst wenn die Gesamtsumme passt, lauert hier die nächste Falle. Für Bargeld, Schmuck, Goldmünzen und ähnliches gelten feste Obergrenzen - egal wie hoch deine Versicherungssumme ist. Typisch sind 20 bis 25 Prozent für Wertsachen insgesamt, 1.000 bis 3.500 Euro für Bargeld, rund 20.000 Euro für Schmuck und Edelmetalle. Hast du einen Tresor? Das hebt die Grenzen meist spürbar an. Details zu Bargeld findest du im Bargeld-Ratgeber.

Wer nicht weiß, was er besitzt, versichert falsch. Eine Foto-basierte Inventar-App wie Hausratgenie macht genau diesen Schritt 3 ohne Excel-Akrobatik - du fotografierst, die App erkennt Gegenstände und zeigt dir den Neuwert. Am Ende hast du eine Summe, die du deinem Versicherer schwarz auf weiß vorlegen kannst.

Regelmäßig aktualisieren

Einmal checken reicht leider nicht für immer. Mach es dir zur Gewohnheit, deine Versicherungssumme mindestens einmal im Jahr zu überprüfen. Am besten immer dann, wenn sich etwas Größeres ändert: neue Möbel, Umzug, Zusammenzug, teure Anschaffungen.

Eine aktuelle Inventarliste hilft dir nicht nur beim Überprüfen deiner Versicherungssumme, sondern auch beim Nachweis im Schadenfall. Denn wenn es soweit ist, willst du nicht aus dem Gedächtnis aufzählen müssen, was du alles besessen hast.

Die Wertsachen-Falle - auch mit Unterversicherungsverzicht

Du hast den Unterversicherungsverzicht in deiner Police? Super. Aber ein Irrtum wäre, zu glauben, jetzt sei alles abgesichert. Denn für Wertsachen gelten zusätzliche Obergrenzen, die davon unabhängig wirken. Bargeld: meist 1.000 bis 3.500 Euro. Schmuck, Gold, Silber: rund 20.000 Euro (Quelle: Finanztip). Gesamt-Wertsachen: oft auf 20 bis 25 Prozent der Versicherungssumme gedeckelt.

Ein Beispiel: Versicherungssumme 60.000 Euro, Wertsachen-Grenze 20 Prozent - macht 12.000 Euro. Dein Schmuckschatz ist aber 18.000 Euro wert? Bei einem Einbruch bekommst du maximal 12.000 Euro. Der Rest ist weg. Hast du keinen Tresor, gilt oft sogar eine strengere Grenze. Das lässt sich lösen - durch höhere Vereinbarungen mit dem Versicherer oder einen zertifizierten Tresor - aber nur, wenn du es vorher weißt. Mehr zum Thema liest du im Ratgeber zum Einbruchdiebstahl-Schutz.

Eine zweite Falle, die beim Selbst-Check gerne übersehen wird: nicht alles, was dir gehört, steht zuhause. Das E-Bike im Keller, das Fahrrad in der gemieteten Garage, der Laptop im Büro, der Koffer im Hotel - für genau diese Fälle gibt es die Außenversicherung. Sie deckt deinen Hausrat auch dann, wenn er sich vorübergehend außerhalb der Wohnung befindet, meist bis zu einer Obergrenze von 10 bis 20 Prozent der Versicherungssumme und für begrenzte Zeiträume (oft drei Monate). Und ja - auch hier greift die Unterversicherungs-Prüfung: Ist deine Hauptsumme zu niedrig, schrumpft auch das Außenversicherungs-Budget proportional mit. Welche Orte wie abgesichert sind und wo die Fallstricke lauern, zeigt der Ratgeber Hausrat außerhalb der Wohnung.

So passt du deine Versicherungssumme an - Musterformulierung

Hast du in deinem Selbst-Check eine Lücke entdeckt? Dann greifst du zum Telefon oder zur E-Mail - nicht in sechs Monaten, sondern diese Woche. Die Anpassung ist formlos möglich und kostet (je nach Versicherer) wenige Euro mehr Beitrag im Monat. Hier eine Formulierung, die du direkt übernehmen kannst:

"Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte die Versicherungssumme meiner Hausratversicherung (Vertragsnummer: [XXX]) an den aktuellen Wert meines Hausrats anpassen. Nach einer Inventur beläuft sich der Neuwert auf ca. [XX.XXX] Euro. Bitte erhöhen Sie die Versicherungssumme entsprechend zum nächstmöglichen Termin und bestätigen mir die Anpassung schriftlich. Bitte prüfen Sie dabei auch den Einschluss eines Unterversicherungsverzichts. Vielen Dank."

Zwei Dinge solltest du noch mitschicken - oder zumindest bereithalten: eine Liste der größeren Anschaffungen und, wenn möglich, Fotos. Das beschleunigt die Bearbeitung. Und noch ein Tipp: Prüfe, ob deine Police eine Dynamik-Klausel enthält. Die passt die Summe jährlich automatisch nach oben an - ein simpler, aber wirksamer Schutz gegen schleichende Unterversicherung.

Nie wieder Unterversicherung - mit Hausratgenie

Mit Hausratgenie fotografierst du deinen Hausrat Raum für Raum und hast deinen tatsächlichen Besitz immer im Blick. Alles sicher in der Cloud gespeichert, im Schadenfall als PDF-Export bereit. So weißt du jederzeit, ob deine Versicherungssumme noch passt - und hast im Ernstfall alle Nachweise parat.

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Häufige Fragen


Fazit: Unterversicherung ist vermeidbar - wenn du hinschaust

Unterversicherung ist kein Naturgesetz. Sie passiert, wenn man nicht aufpasst. Und sie lässt sich mit wenig Aufwand vermeiden.

Der wichtigste Schritt: Wissen, was du besitzt. Klingt banal, aber genau daran scheitern die meisten. Wer seinen Hausrat einmal ordentlich erfasst und regelmäßig aktualisiert, der weiß, ob die Versicherungssumme noch passt - oder ob es Zeit für eine Anpassung ist.

Der Unterversicherungsverzicht über das Quadratmetermodell ist ein starkes Sicherheitsnetz. Aber auch er ersetzt nicht den Überblick über deinen tatsächlichen Besitz. Denn im Ernstfall ist es nicht nur die Versicherungssumme, die stimmen muss - du musst auch nachweisen können, was du hattest.

Also: Vertrag raussuchen, Versicherungssumme checken, Hausrat erfassen. Am besten heute noch. Denn die Waschmaschine fragt nicht vorher, ob es gerade passt.